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Lahmen der Vorderpfote - nicht immer liegt es an der Vorderpfote selbst




Hast du gewusst, dass bei einem „Humpeln“ mit der Vorderpfote nicht immer die Ursache in der betroffenen Vorderpfote zu finden ist.

Oft werden mir Tiere vorgestellt, die mit den Vorderpfoten lahmen, das Röntgenbild aber völlig in Ordnung ist und keine Hinweise auf eine Erkrankung des Vorderbeins zulässt.


Wo kann das Problem dann sein?


Erfahrungsgemäß ist es so, dass das Grundproblem zumeist nicht in der lahmenden Vorderpfote liegt, sondern ein Lahmen häufig aufgrund eines Problems in den Hintergliedmaßen oder im Rücken (besonders in der Lendenwirbelsäule) auftreten kann. Zu den möglichen Erkrankungen zählen unter anderem (Aufzählung nicht vollständig):

  • Arthrose in den Knien oder der Hüfte,

  • ein Kreuzband-Anriss im Knie, der über einen längeren Zeitraum nicht entdeckt wurde

  • Cauda Equina Kompressionssyndrom

  • Hüftdysplasie

  • Patellaluxation

  • Spondylose in der Lendenwirbelsäule, aber auch in der Brustwirbelsäule

  • Etc.

Wie kommt das?


Hunde sind Meister darin, ein körperliches Defizit auszugleichen. Das können sie natürlich viel besser, als wir zweibeinigen Menschen, mit ihren vier Beinen. Da, wo eine Entlastung stattfindet, findet anderswo eine Überlastung einer anderen Gliedmaße statt. Eine Überlastung einer Gliedmaße bedeutet, dass der Hund aufgrund von seinem Defizit (z.B. Arthrose im Knie) und den damit verbundenen Schmerzen, nicht so stark – wie erforderlich – auf dem betroffenen Bein Gewicht/ Last tragen kann. Er entlastet also das „kranke“ hintere Bein. Damit aber das Gehen, Spielen, Laufen, trotz des Defizits und der Schmerzen, noch reibungslos funktioniert, verteilt er sozusagen das Gewicht auf die Vorderbeine (bei Problemen im hinteren Körperbereich) um. Damit geht eine Überbelastung der Vorderbeine einher. Für gewöhnlich und erfahrungsgemäß entsteht ein „kontra-lateraler-diagonaler“ Ausgleich.


Das bedeutet:

  • Ein Defizit im rechten Hinterbein führt zu einer Überbelastung des linken Vorderbeins

  • Ein Defizit im linken Hinterbein führt zu einer Überbelastung des rechten Vorderbeins



Die Folgen der Überlastung manifestieren sich in den meisten Fällen nicht zeitnah. Wenn es aber regelmäßig und dauerhaft zu Überlastungen in den ausgleichenden Gliedmaßen kommt, entstehen Überlastungsschäden in Form von stark beanspruchten Gelenken und überbeanspruchter Muskulatur. Es entsteht zudem z.B. ein Gelenkverschleiß (bspw. in Form von Arthrose) und eine Überbeanspruchung der Sehnen und Bänder. Als Folge kann schließlich ein Lahmen/ Humpeln in der ausgleichenden Struktur auftreten.


Es lohnt sich also immer den Hund ganzheitlich zu betrachten und nicht nur den Fokus auf das augenscheinlich offensichtlich erkrankte Bein zu richten.


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