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Wie oft muss mein Hund zur Physiotherapie?

Wie viele Sitzungen braucht es?

„Der Stein kommt ins Rollen“

Heute möchte ich mit Euch meine Gedanken zu einer wohl für den Tierbesitzer sehr wichtigen Frage teilen. Als Therapeutin werde ich oft schon im ersten Termin gefragt:

„Wie viele Termine seien bis zur Gesundung notwendig und müssten diese in regelmäßigen Abständen erfolgen?“

In meinen Augen eine absolut verständliche Frage, wenn man noch nicht Erfahrungen mit der manuellen Therapie am Tier sammeln konnte.

Ich versuche den Prozess bildhaft darzustellen und hoffe, dass ich auf diesem Wege Aufklärung über meine therapeutische Arbeit vermitteln kann.

Stellt Euch mal einen Stein vor, dem Ihr oben am Berg einen Tritt verpasst.

Es kann sein, dass der Stein ohne jegliche Hindernisse bis zum Fuße des Berges hinunter rollt. Es kann aber auch sein, dass ein Ast, ein Stein oder ein anderes Hindernis im Wege liegt. Dann wird der Stein unter diesen Umständen nicht mehr von alleine bergab rollen können. Ihr müsst ihm einen neuen Tritt verpassen, damit er erneut ins Rollen kommt und seinen Weg bis zum Ziel fortführt.

Übertragen auf den Hund in der Tierphysio bedeutet es Folgendes:

In manchen Fällen kann es durchaus sein, dass eine einzige Therapieeinheit ausreichend ist, um die Ursache für die Schmerzen oder die Bewegungseinschränkung zu beheben. Um wieder auf unsere Metapher „Stein“ zurückzukommen, bedeutet es, dass die Therapieeinheit den Stein ins Rollen gebracht hat und der Stein ohne irgendwelche Hindernisse (Ast oder Stein) an sein Ziel am Fuße des Berges angelangt. Das kann der Fall sein, wenn beispielsweise ein Wirbel bei einem Sturz verschoben wurde und dieser zeitnah wieder in seine physiologische Stellung gebracht wurde. Erfahrungsgemäß ist das aber eher die Ausnahme und nicht die Regel.

Warum ist das so?

Die meisten Hunde zeigen oft erst sehr spät, dass etwas bei ihnen nicht stimmt. Das liegt unter anderem daran, dass der Körper daran bestrebt ist, Defizite im Bewegungsapparat möglichst schnell auszugleichen. Im Gegensatz zu uns Menschen können das Hunde aufgrund deren Anatomie noch viel besser kompensieren als wir Menschen mit unserem Zwei-Bein-Stand. Daher ist es nicht selten, dass die Beschwerden über einen längeren Zeitraum entstanden sind. In den allermeisten Fällen haben sich die Beschwerden schon chronisch manifestiert, wenn der Physiotherapeut hinzugezogen wird.

Stellt Euch jetzt bitte das Beispiel mit dem verschobenen Wirbel, welches ich zuvor gebracht habe, vor. Der Wirbel wurde aber nicht nach wenigen Tagen, sondern erst nach Wochen oder Monaten in seine physiologische Stellung gebracht. Die Folge ist dann, dass sich die Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien an die veränderte Körperhaltung angepasst haben. Möglicherweise sind diese schon verkürzt oder verhärtet. Der Hund läuft zu diesem Zeitpunkt für gewöhnlich schon länger in einer Schonhaltung und hat möglicherweise Schmerzen. Nun komme ich als Physiotherapeutin ins Spiel und lockere/ dehne die Struktur auf - ich trete also den Stein auf dem Berg.

Was passiert dann?

Genau…der Hund ist noch eine Schonhaltung gewohnt, so dass er diese nach den ersten Therapieeinheiten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch beibehalten wird.

Was passiert dann mit dem gedehnten Muskel?

Richtig, er wird sich vermutlich wieder an die Schonhaltung anpassen und sich wieder zusammenziehen. Der Stein wird also auf seinem Weg bergabwärts zunächst von einem Ast gebremst.

Was muss ich also erneut tun?

Ich trete ihn also nochmal, sodass er erneut ins in Rollen kommt. Diesmal aber nicht so fest, da der Weg zum Ziel viel kürzer ist. Der nächste Tritt wird wieder ein wenig sanfter usw. bis das Ziel erreicht wurde.

So ähnlich verhält es sich mit der Physiotherapie. Mit regelmäßigen Therapieeinheiten wird auf die Strukturen immer und immer wieder eingewirkt, so dass sie langsam und dauerhaft ihre ursprüngliche Form wieder einnehmen können. Erst dann kann das Tier dauerhaft aus seiner Schonhaltung und den Schmerzen befreit werden.

Wie oft und wie schnell ich zum Ziel komme, zeigt mir das Tier. Daher passe ich den Zeit- und Therapieplan meiner Patienten dem aktuellen Zustand und Fortschritt an.

Eure Tierphysio und Reha mit Herz



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