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Thermotherapie - Im Kampf gegen Schmerzen mit Wärme


Thermotherapie – Im Kampf gegen Schmerzen


Warum ist Wärme im Kampf gegen Schmerzen so wirksam?


Wärme ist eines der ältesten Hausmittel, das wir kennen. Bei uns Menschen hilft sie schon lange nicht mehr nur im Winter gegen kalte Füße. Ganz selbstverständlich legen wir uns ein Kirschkernkissen auf, wenn wir unter Verspannungen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen usw. leiden. Wärme ist so vielseitig, einfach handzuhaben und kann auch bei unseren Haustieren wahre Wunder bewirken.


Warum ist Wärme so effektiv und was bewirkt sie?


Durch die Erwärmung der Haut von außen kommt es zu einer Freisetzung verschiedener Botenstoffe, die eine Erweiterung der Blutgefäße mit einer verstärkten Durchblutung bewirken. Zudem verbessert Wärme den Stoffwechsel und bringt Botenstoffe des Immunsystems besser in den Umlauf. Dadurch können schmerzauslösende Substanzen schneller abtransportiert werden, was eine schmerzlindernde Wirkung zur Folge hat.

Um den Effekt der Wärme, der auf den Körper wirkt noch besser verstehen zu können, hat der britische Physiologe Brian King vom University College London Versuche an Ratten durchgeführt. Seine Untersuchungen ergaben, dass Wärme Schmerzen regelrecht blockieren kann. Wird die Haut in der Nähe eines Schmerzherdes auf über 40 Grad Celsius erwärmt, so werden im Körper bestimmte Wärmerezeptoren aktiviert. Diese Rezeptoren blockieren anschließend die Sensoren für Schmerzen, wodurch die Ratte die Schmerzen nicht mehr wahrnehmen konnte. Die Studienleiter gehen daher davon aus, dass dies beim Menschen und Tieren ähnlich ist.

Wärme wirkt zudem auf die nervalen Verbindungen im Körper, bspw. auf den Parasympathikus ein. Dadurch werden Thermorezeptoren stimuliert und reflektorische Effekte ausgelöst, die nicht nur die Oberfläche sondern auch tieferliegende Strukturen unseres Körpers beeinflussen. Dadurch kann der Muskeltonus gesenkt werden. Durch die Veränderung von viskoelastischen Eigenschaften (Zunahme der Elastizität von Sehnen und Bändern, Viskosität der Gelenkflüssigkeit) im erwärmten Gewebe wird die Gelenkbeweglichkeit verbessert, was wiederum zu einer Verringerung der Steifheit eines Gelenkes und zu einer Verringerung eines schmerzhaften Gelenkbereiches führen kann. Und zu guter Letzt wirkt sich Wärme positiv auf die Psyche aus, indem sie die Entspannung fördert.


Das Hausmittel Wärme hat sich meiner Meinung nach also nicht ohne Grund seit Jahrtausenden bewährt!


Wann kannst Du Wärme für dein Tier nutzen?

  • Mit einer Portion Wärme kannst Du Deinen Hund bei chronischen Erkrankungen, vor allem bei der degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Arthrose und Spondylose, unterstützen.

  • Bei Muskelverkürzungen, Muskelverspannungen und Myogelosen kannst Du Deinem Hund Linderung verschaffen.

  • Ältere Hunde und Katzen sind oft sehr wärmebedürftig. Sie genießen eine Wärmebehandlung beanspruchter Vorderbeine oder Hinterbeine ganz besonders.

  • In der Physiotherapie nutze ich die Wärme als Vorbereitung auf eine Massage, um das Gewebe intensiver bearbeiten zu können.

  • Bei funktionellen Beschwerden, wie Bauch und Darmkrämpfen.

  • Bei Wirbelsäulenbeschwerden und Rückenschmerzen.

  • Wenn Du ein Tier hast, welches unter Erregbarkeit leidet, dann lohnt es sich Wärme auszuprobieren.

  • Unabhängig von einer zugrundeliegenden Erkrankung, kannst Du Deinem Hund nach dem Sport mit Wärme etwas Gutes tun.


Wann solltest Du Wärme auf keinen Fall für Dein Tier nutzen?


Bei folgenden Indikationen ist Wärme tabu:

  • Akute Entzündungen

  • Fieber

  • Herzinsuffizienz

  • Krebserkrankungen Durchblutungsstörungen

  • Sensibilitätsstörungen in der Wahrnehmung von Wärme und Kälte

  • bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Wärme

  • Trächtigkeit

  • Infektionskrankheiten

  • Blutungen, Hämatomen und Ödeme


In diesen Fällen solltest Du Wärme nicht anwenden!

Welche Formen der Wärmetherapie gibt es?

Für die Applikation von Wärmetherapie gibt es verschiedene Formen, die bestimmten physikalischen Prinzipien folgen. Dabei unterscheidet man die Prinzipien der Wärmeleitung, der Wärmekapazität, der Wärmeströmung und der Wärmestrahlung.


Heiße Rolle

Wärmepackungen und Kompressen folgen dem Prinzip der Wärmeleitung. Hier möchte ich Dir die „heiße Rolle“ vorstellen. Ich persönlich nutze sie sehr häufig und gerne. Ich empfinde die feuchte Wärme für das Tier als sehr effektiv, da sie noch mehr in das Gewebe eindringen kann.


  • Du benötigst zwei Handtücher (ein kleineres und ein größeres) und heißes, kochendes Wasser.

  • Bei der heißen Rolle rollst Du die zwei Handtücher straff trichterförmig auf.

  • Du rollst zunächst das kleine Handtuch ganz fest auf.

  • Anschließend rollst Du das größere Handtuch so stramm wie möglich um das kleinere schon aufgerollte Handtuch auf, sodass auf der Seite mit den Handtuchrändern ein kleiner Trichter entsteht. Fixiere das Handtuch dazu am besten mit Deinem Fuß auf einem Stuhl oder lass ein Ende von einer anderen Person festhalten.

  • Gebe nun das kochende Wasser langsam in den Trichter, den Du mit dem Handtuch gerollt hast. Am Ende soll die Handtuchrolle etwa bis zur Hälfte vollgesogen sein. So kannst Du die Heiße Rolle am trockenen Ende festhalten, ohne dass Du dich verbrennst.

  • Bevor Du die Rolle an dem Tier anwendest, mache einen Test, ob die Rolle nicht zu heiß ist! Ich halte mir dazu die Rolle an mein Brustbein und fühle vor, ob mir die Temperatur angenehm ist. Erst nach diesem Test wende ich die Rolle am Tier an.

  • Mit der nun nassen, heißen Handtuchrolle werden die zu behandelnden Körperstellen mit kurzen rollenden Bewegungen betupft bzw. mit leichtem Druck massiert.

  • Dabei rollst Du die einzelnen Schichten von außen nach innen von der Rolle und hast so während der gesamten Behandlung eine heiße Rolle zur Verfügung.

  • Zum Schluss wird das Handtuch kurz auf der behandelten Körperpartie ausgerollt.

  • Im Anschluss an die Wärmebehandlung wird die betroffene Körperpartie zugedeckt oder im Falle einer Physiotherapieeinheit behandelt.


Tipp:

Falls Du Dir unsicher in der Handhabung sein solltest, dann kannst Du Dir auch Youtube Anleitungen dazu anschauen. Einige meiner Kollegen haben die Heiße Rolle darin wunderbar erklärt und die Anwendung gezeigt.


Infrarotlicht (Rotlicht)

Falls Du eine einfache Methode der Wärmebehandlung favorisierst, dann ist das Rotlicht vielleicht genau das Richtige für Dich und Dein Tier. Die Rotlichtlampe ist für ihre ausgesprochen sanfte und wohltuende Wirkung bekannt, die mit dem angenehmen Licht einhergeht. In diesem Fall ist das Prinzip der Wärmestrahlung vertreten.


  • Baue dazu die Rotlichtlampe in etwa 30 – 50 cm von Deinem Tier auf. Idealerweise trifft die Strahlung den Körper des Tieres im 90 Grad Winkel.

  • Wende das Rotlicht nur bei Tieren an, wenn Du dabei bist.

  • Du solltest Dein Tier auch sonst nie unbeaufsichtigt lassen, sodass Du im Notfall (Kreislaufprobleme bspw.) reagieren kannst.

  • Behalte die Temperatur, die durch das Rotlicht erzeugt wird, immer im Blick. Wird es zu heiß, musst Du eingreifen.

  • Dein Tier sollte während der Behandlung mit Rotlicht nicht in das Licht schauen.

  • Wenn sich das Tier von der Wärmequelle entfernt, sollte das auch akzeptiert werden.

  • Du kannst Deinen Hund etwa 15 – 30 Min. mit dem Rotlicht behandeln - je nachdem wie dein Tier darauf reagiert. Hier bist du als Besitzer gefragt es einzuschätzen! Du kennst Deinen Hund am besten und weißt in der Regel, wann es Deinem Hund unangenehm wird.


Moor- oder Heilerde-Packung

Die Packungen arbeiten nach dem Prinzip der Wärmekapazität, da sie Wärme speichern und anschließend an den Körper abgeben.

Das Moorkissen wird bei Bedarf im Wasserbad oder in der Mikrowelle erwärmt und anschließend direkt auf die schmerzende Stelle gelegt. Über einen langen Zeitraum hinweg verbreitet es dort seine anhaltende, gleichmäßige Wärme. Du kannst es zwischen 15 – 30 Minuten auf den Körper des Tieres belassen. Teste die Wärme auf Annehmlichkeit, bevor du sie am Tier anwendest!

Lese dazu die Anweisungen des Herstellers genau durch.



Körnerkissen

Das wohl einfachste Mittel aus dem Bereich der Wärmetherapie, ist die Anwendung eines Körnerkissens (Wärmeleitung). Jeder von uns hat wahrscheinlich ein Körnerkissen daheim im Schrank herumliegen. Bist Du schon auf die Idee gekommen es auch bei Deinem Hund anzuwenden? Wenn nicht, dann wird es jetzt Zeit ;-)

Ein Körnerkissen ist eine tolle Möglichkeit, seinen Hund gezielt mit Wärme zu versorgen. Körnerkissen bestehen aus Getreidekörnern, die Du wahlweise im Backofen oder in der Mikrowelle erhitzen kannst. Die Temperatur solltest Du am eigenen Arm testen und als angenehm empfinden. Nun kann das Kissen auf die betroffenen Körperstellen des Hundes gelegt werden. Dieser sollte sich hierbei in einer entspannten Position befinden. Bis zu 30 Minuten kann das Kissen auf dem Hund liegen bleiben. Beobachte Dein Tier und entferne das Kissen, wenn Dir Dein Hund signalisiert, dass es ihm unangenehm ist.



Was musst Du bei der Anwendung von Wärme beim Tier beachten?

  • Achte auf Kontraindikationen!

  • Lasse Dein Tier niemals unbeaufsichtigt während der Behandlung!

  • Zwinge nie Deinen Hund zur Behandlung, auch wenn Du als Mensch davon überzeugt bist, dass es ihm gut tut.

  • Die Anwendungsdauer solltest Du also immer auf die Bedürfnisse des Tieres abstimmen.

  • Unterbreche daher sofort die Behandlung, wenn Dir Dein Tier anzeigt, dass es ihm unangenehm ist.

  • Zu Beginn reicht es auch aus, wenn die Tiere nur wenige Minuten mit Wärme verbringen.

  • Ein wichtiges Kriterium ist natürlich auch die Intensität der Wärmequelle. Prüfe grundsätzlich immer, welche Temperatur sich hier entwickelt. Es sollte nicht zu heiß sein, da viele Tiere das als unangenehm empfinden.

  • Befestige niemals das Körnerkissen, die Moorpackung etc. auf Deinen Hund. Der Hund soll die Möglichkeit haben, die Wärmequelle loszuwerden, wenn sie ihm unangenehm ist.


Ich hoffe, meine Tipps können Dir weiterhelfen, damit Dein Hund frei von Schmerzen und Gelenkprobleme nicht nur durch den Winter kommt.


In dem Sinne kommt gut durch die kalte Jahreszeit!


Eure Alice


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